Yoga in der Wissenschaft

Wir sind alle Kopfmenschen und brauchen meist rationale Argumente um etwas zu glauben. Wir sind vor allem in Europa zur gesunden Skepsis erzogen worden und das ist auch gut so. Bevor wir etwas Neues beginnen braucht unser Verstand genug Argumente, am besten angereichert mit wissenschaftlich angesehenen Beweisen. Und wenn es das nicht tut, dann lassen wir uns unbewusst eben auch gerne durch Werbung oder sogenannten Experten einreden was wir denken oder tun sollen.

Yoga passt da irgendwie nicht rein. Weder gibt es in der westlichen Medizin umfassende Forschung zu den Wirkungen von Yoga (wie gesagt wird das ja häufig wie die Wirkungsweise von Globuli belächelt), noch wird die Werbetrommel dafür derzeit gerührt. Und zugleich füllen sich weltweit Yogastudios, Onlinekurse und kostenlose Stunden im Park. Also muss doch was dran sein….

Für jemanden, der Yoga noch nie selbst geübt hat, mag es vielleicht befremdlich wirken. Mit genau Jenen möchte ich meine Erfahrungen teilen, die ich in den letzten fünf Jahren regelmäßiger Praxis sammeln durfte. Ich übernehme hier allerdings keine Gesundheitsberatung und bin auch keine Ärztin. Ich schildere lediglich was ich selbst erlebt habe und versuche diese Erfahrungen durch die Erfahrung anderer zu stützen. Um ehrlich zu sein, bin ich kein Fan von Studien, die irgendetwas belegen sollen. Ich halte mehr davon, solche Themen für sich selbst auszuprobieren und intuitiv zu entscheiden, ob es gut ist oder nicht. Für jene, die aber mehr als eine Sichtweise in Betracht  ziehen wollen, um sich ihre eigene Meinung zu bilden, mögen die Studien, die ich unter jeden Punkt gefügt habe, hilfreich sein. Ich bitte daher diese Themen als Anregung zu betrachten, aber nicht als einzig gültige Therapie bei ernsthaften Problemen.

Stressreduktion

Stress kann sich sowohl psychisch wie auch physisch äußern. Wir werden unruhig, unser Herz schlägt schneller, wir sind unkonzentriert und gereizt.  Durch Yoga kann sich der Cortisolspiegel (also das Hormon, das den „Stress“ auslöst) abgebaut werden. Cortisol ist grundsätzlich nichts schlechtes, allerdings fehlen uns oft die Fähigkeiten aus unserem Alarmzustand zurück in den Entspannungsmodus zu kommen. Mit Yoga kann man das Gleichgewicht zwischen Sympathikus  und Parasympathikus wiederherstellen.  Statt sich nach außen in den Kampf-und-Fluchtmodus zu begeben, kommt man zur Ruhe und entspannt. Dadurch senkt sich die Herzfrequenz, der Blutdruck und die Atmung beruhigt sich.

Seit ich Yoga praktiziere bin ich deutlich entspannter in angespannten Situationen. Ich habe gelernt die Geisteshaltung , die ich in den Asanas  entwickle in andere Bereiche zu übernehmen. Statt mich gestresst zu fühlen werde ich durch meine Yogapraxis eher flexibler und entspannter. Allein das Üben der Asanas (der Stellungen) lehrt das ja: man lernt nach und nach sich in jeder Lebenslage, egal wie ungewohnt, anstrengend oder vielleicht auch schmerzhaft diese sein mag, ruhig zu bleiben und sich darin wohlzufühlen. Ich habe dadurch Methoden erlernt, die mir in jeder Lebenslage hilfreich sind.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16319785/

https://viveka.de/pdf/viveka_31_Studie_Yoga_auf_dem_Pruefstand.pdf

Yoga for Emotional Balance: Simple Practices to Help Relieve Anxiety and Depression

Ängste lösen

Angst ist so ein ätzendes Gefühl, oft unbegründet und übertrieben. Wir leben in einer so stabilen und sicheren Welt, dass die meisten Angstgedanken Humbug sind. Unser Steinzeithirn spielt uns insbesondere dann einen Streich, wenn wir aufgrund von hohen psychischen Belastungen nicht mehr zur Ruhe kommen.  Ich merke es regelmäßig an mir selbst: Wenn ich meine Yogapraxis aussetze, kommen viele meiner längst vergessenen Angstgefühle wieder zurück, übe ich regelmäßig dann stellt sich die Entspannung wieder ein. Auch nach einer Trennung hat mir Yoga unfassbar viel meiner Angst, Wut und Unsicherheit abgenommen. Dies gelang mir dadurch, dass ich mit Yoga und Mediation aus meinem Kopf heraus gekommen bin, mehr in meinen Körper hineingehört habe und negative Gedanken in positive umwandeln konnte.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19341989/

https://viveka.de/pdf/viveka_31_Studie_Yoga_auf_dem_Pruefstand.pdf

Yoga for Emotional Balance: Simple Practices to Help Relieve Anxiety and Depression

 

Schmerzen lindern

Viele unserer körperlichen Schmerzen werden aufgrund von nervlichen Spannungen ausgelöst. Gelingt es uns, unsere Nerven zu beruhigen, verschwinden diese oftmals wieder. In den Rückenyogastunden, in denen ich derzeit assistieren darf sind neben Übungen zur muskulären Stärkung daher vor allem Entspannungselemente wichtig.  Auch Krankenkassen bezuschussen daher solche Rückenyogakurse nicht ohne Grund.

Um ehrlich zu sein, kann ich hier wenig aus meiner persönlichen Erfahrung sprechen. Ich hatte bisher noch nie Rückenschmerzen oder andere körperliche Leiden.

Bisher konnte ich nur Pilotstudien über die Effekte von Yoga auf die Linderung von körperlichen Schmerzen finden, diese zeigten jedoch, dass Yoga einen positiven Effekt auf die Linderung bestimmter Schmerzen hat.

Rückenschmerzen: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15055095,https://nccih.nih.gov/health/providers/digest/yoga-science,

Kopfschmerzen/Migräne:https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17501846,https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25035622

 

Muskeln stärken und körperliche Flexibilität erhöhen

Auch das ist etwas, was man am eigenen Leib erfährt, mehr als man es durch Studien erkennen kann. Wenn man sich erfahrene Yogalehrer anschaut, die selbst auch viel praktizieren, sehen diese meist aus wie Balletttänzer: sehr muskulös, aber nicht aufgepumpt, eher drahtig. Und auch wenn man nicht das Ziel hat gleich das Bein hinter das Ohr zu bekommen, lohnt es sich zu üben. Viele, die mit Yoga beginnen kommen noch nicht mit den Händen auf den Boden, wenn sie sich stehend nach unten beugen oder haben schon in jungen Jahren Schmerzen wenn sie sich auf die Knie setzen.  Und letztendlich gilt auch hier: ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper. Ein flexibler und starker Geist braucht eben auch einen entsprechenden körperliche Hülle. Yoga ist genau dafür ein ideales Vehikel.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4475706/

 

Yoga bei Ernährungsproblemen

Mit Yoga einher geht auch eine Philosophie der Achtsamkeit, sowie der Selbst- und Nächstenliebe. Ich kann hier ein riesen Fass aufmachen, versuche es aber kurz und knapp zu halten. Durch meine Yogische Lebensweise, in der ich mich aus Überzeugung so gut wie möglich vegan ernähre und auf mich achte, nehme ich wie von selbst gesunde Ernährungsgewohnheiten an. Seit ich Yoga ernsthaft praktiziere habe ich auch  meinen Alkohol- und Kaffekonsum enorm reduziert. Ich spüre wie viel mehr Energie da ist, weil ich viel bewusster auf meine Gesundheit achte.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2844876/

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19632546/

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25417199

 

Mir persönlich hat Yoga in all diesen Bereichen enorm weitergeholfen. Ich bin ausgeglichener, fröhlicher, stärker und verspielter geworden. Ich kann mit Stress und Angstgedanken viel besser umgehen. Auch von anderen Frauen und Männern, die Yoga praktizieren kenne oder sehe ich diese Veränderungen. Dazu hat es zugleich auch gute Lehrer gebraucht, die ich so bisher nicht in Fitnessstudios antreffen konnte, sondern in eigens dafür ausgerichteten Yoga-Studios.

Ich frage mich auch warum ich so wenige Studien über die Wirksamkeit von Yoga finden konnte, wenn ich doch zugleich von so vielen Menschen weiß, denen es sehr geholfen hat. Vielleicht fehlt unserer akademischen Welt die Zeit oder auch das finanzielle Interesse daran, solche alternativen Methoden zu erforschen. Womöglich sind Yogis auch schon in anderen Sphären unterwegs, um sich selbst um solche Forschung zu bemühen. Oder es kommt da aber noch was auf uns zu in den kommenden Jahren. Bis dahin lese ich mal das Buch Yoga für Skeptiker von Ulrich Ott.

 

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