Welcher Weg zu gegenseitigem Verständnis führt

Streit ist ein Nährboden für Unruhe. Auch wenn viele Diskussionen, insbesondere mit Menschen die man sehr gerne hat,  einfach simple Missverständnisse sind, die unverhältnismäßig gewichtet werden.

Gegenseitiges Verständnis ist scheint manchmal viel verlangt zu sein, insbesondere dann wenn unterschiedliche Menschen aufeinander treffen. Aber genau das ist es, was das Leben lebenswert macht: unsere Zeit auf diesem Planeten wäre doch total öde, wenn wir alle die gleiche Persönlichkeit hätten, die gleichen Wünsche, Werte und Glaubenssätze. Und doch wollen wir alle, trotz der Vielzahl an Unterschieden dasselbe vom Leben: Glück, Sinn, Erfüllung.

Viel zu oft jedoch glauben wir, dass UNSER Weg der einzig RICHTIGE ist. Statt den Versuch zu wagen die Position des anderen zu verstehen, versuchen wir die andere Person auf unseren Weg zu bringen. Dabei kehren jedoch unter den Teppich, wie diese Person denkt und fühlt. Denn wir haben schließlich recht.

Diese Art von leidenschaftlicher, unerschütterlicher Gewissheit ist selten eine gute Idee. Selbst wenn du „recht“ hast. Denn es reduziert die Gedanken und Gefühle deines Gegenübers, was automatisch zu einer defensiven Haltung führt, zu Diskussionen, Unzufriedenheit, Missverständnissen. Richtig ätzender Kreislauf.

Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, und vielleicht sogar zu einem gemeinsamen Weg zu finden, ist es notwendig nicht impulsiv zu handeln. Stattdessen sollte man diese vier Schritte durchlaufen, um gegenseitiges Verständnis hervorzubringen.

Toleranz 

Toleranz ist eine schwache Tugend, aber ein guter Start. Wenn dich jemand stört, dann solltest du es vermeiden ihn gleich auf die Knie zwingen zu wollen, in einer Art Kampf-Fluchtmodus. Versuche stattdessen eure Differenzen zu tolerieren. Wenn du beispielsweise eine absolute Minimalistin bist, aber dein Parter eine seltsame Stockentensammelleidenschaft hat (meine Großeltern waren tatsächlich so drauf), dann zeigt sich dabei eure unterschiedliche Denkweise. Dein Partner denkt, dass es das genialste auf der Welt ist hölzerne Vögel zu sammeln. Und du denkst, dass das einfach nur idiotischer Schrott ist. Du fängst nun an seiner Macke rütteln zu wollen und fragst dich wie du ihn von seiner eingeschränkten Sichtweise zu deiner absolut validen Perspektive bringen kannst. Das kann ganz schön frustrierend sein. Nun ja, eigentlich brauchst du dir keinen Kopf machen. Du musst ja nicht in allem mit deinem Partner über einstimmen. Aber du solltest verstehen wollen, welche Gründe es hat, dass ihr manches auf unterschiedliche Weise seht. Indem du die Macken deines Gegenübers tolerierst, erlaubst du dir und ihm glücklich mit seiner Weltsicht zu werden. Kann sein, dass du es echt nicht nachvollziehen kannst (ja Stockenten sind wirklich schräg), aber du kommst auf den Weg diese Person als Individuum nachvollziehen zu wollen. Und das ist ein wichtiger erster Schritt. Glückwunsch!

Akzeptanz

Um wirklich in Frieden mit anderen Menschen zu leben, braucht es mehr als ein wenig Toleranz. Wenn du dir die Mühe gemacht hast, die andere Person für ihre Macken wenigstens zu tolerieren, erscheint ihre Denkweise deutlich weniger bescheuert. Irgendwann vielleicht sogar bedeutsam, nicht für dich, aber für jemanden, der dir wichtig ist. Sobald du verstehst, dass diese Stockentensammlung eine Bedeutung für dein Gegenüber hat, ist es viel leichter das zu akzeptieren. Es ist quasi ein Teil der gesamten Person, und auch wenn du diesen kleinen Teil echt nicht magst, magst du die Person als ganzen ja trotzdem.

Respekt

Akzeptanz, nicht nur Toleranz, sondern echte Akzeptanz, bedeutet, dass du auch die Eigenheiten einer anderen Person annimmst. Und das ist schwierig. Aber noch nicht so herausfordernd wie diese dafür zu respektieren. Denke mal so: es hat Jahre gedauert, bist du zu deiner aktuellen Denkweise gekommen bist. Es ist also tatsächlich unrealistisch, dass die andere Person über Nacht ihre Meinung um 180 Grad dreht, egal wie gut deine Gegenargumente sind. Okay, vielleicht hast du dich wirklich noch nie über Stockenten ausgelassen, aber es gibt genug Glaubenssätze denen du anhängst, genug Werte, die anderen total albern erscheinen. Aber wenn andere Menschen mit dir nicht über einstimmen, selbst wenn sie deine Position nicht nachvollziehen können, wünschst du dir doch auch, dass sie diese respektieren, oder? Warum solltest du diesen Respekt also nicht auch mit Menschen haben, die du gern hast? Nur wenn du näher ran kommst ans Verständnis anderer, kapierst du, dass deine Weltsicht nicht das einzig gültige Axiom in diesem Universum ist, nach dem alle anderen leben sollen. Klar ist es cooler ein stockentenfreies Haus zu haben. Aber es ist noch viel schöner das Leben mit Menschen zu teilen, die du respektierst.

Wertschätzung

Unter Einbezug der drei oberen Elemente ist das gegenseitige Verständnis greifbar. Lass uns nun das Stockentenbeispiel fortsetzen und dein Gegenüber steht einfach total auf Stockenten: Warum würdest du das ändern wollen? Du willst doch auch glücklich sein, oder? Nun, die Sammlung bringt einfach Freude in sein Leben. Und wenn dir diese Person wirklich wichtig ist, dann sollte es Freude in dein Leben bringen, dass er sich darüber so freut. Denn Freude ist ansteckend. Natürlich geht das nur, wenn du vorher seine Gründe verstehst und zur Toleranz, Akzeptanz und zum Respekt gegenüber der Person gekommen bist. Du wertschätzt dessen Wünsche, Werte und Glaubenssätze. Viele von uns gehen in unterschiedliche Richtungen zum Glück. Aber auch dann ist es wichtig, dass wir den Weg an sich wertschätzen. Und auch nicht nur den Eigenen, sondern jeden. Wenn wir andere dafür wertschätzen wer sie sind, und nicht wen wir aus ihn machen wollen, dann und nur dann werden wir sie verstehen.

Dieser Weg funktioniert für jeden, auch ohne Stockenten, für Freunde, Kollegen und jeden anderen Menschen, dessen Verbindung wir stärken wollen. Klar gibt es auch Zeiten wo die Werte aneinander knallen und es dir nicht gelingt, die Person wertzuschätzen. Und es wird seltene Phasen geben, wo T.A.R.W. insgesamt der falsche Weg ist. Wenn jemand dich zu selbstzerstörerischem Verhalten ermuntert – Drogen, Kriminalität, Rassismus – dann solltest du das definitiv nicht dulden. Manchmal ist es auch ok sich zu verabschieden, wegzugehen und einen ganz anderen Weg einzuschlagen.

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