Was ist das wichtigste im Leben?

Wenn du so wie ich bist, dann liebst du es ständig neue Dinge zu lernen – Sprachen, Schach, neue Sportarten, Programmieren, Schreiben oder Fotografieren. Es macht total Spass und ich finde es eine wunderbare Sache.

Aber was ist eigentlich die wichtigste Fähigkeit im Leben?

Darüber lässt sich diskutieren. Ich denke Mitgefühl mit anderen zu haben und Achtsamkeit sind ziemlich wichtig. Das würde ich jeden Tag üben.

Wenn ich nun aber nur eine einzige Fähigkeit auswählen könnte, dann wäre es die Fähigkeit mit mir selbst glücklich zu sein.

Klingt ziemlich einfach. Bisschen kitschig sogar. Und auch wenn dem so ist, bleibe ich dabei.

Warum? Es ist eben diese eine Sache, die alles andere in deinem Leben beeinflusst. Wenn du unglücklich mit dir selbst bist oder deinem Körper, dann wirst du unsicher. Du denkst, du bist nicht gut genug. Du hast Angst ausgeschlossen zu werden, allein zu sein. Stattdessen tust du viele Dinge um das zu kompensieren, die teilweise wieder zu neuen Problemen führen.

So viele der Probleme von Menschen kommen von dieser einen Sache – sie sind nicht zufrieden mit sich selbst. Lass uns doch mal sehen woran das liegt und was man dagegen tun kann.

Warum deine Einstellung zu dir selbst alles beeinflusst

Nehmen wir mal an, dass du mit deinem Körper unzufrieden bist. Du denkst du bist nicht schlank genug, dein Hintern ist zu gross oder zu klein, dein Bauch ist nicht flach genug, deine Oberschenkel zu dick, deine Hüften zu breit oder zu schmal. Und so weiter und so fort. Es ist ein plakatives Beispiel, du kannst das Thema aber eigentlich auf alles andere übertragen. 

Wir klären gleich warum wir dadurch unzufrieden sind, aber für diesen Moment stellen wir uns die Situation einfach mal vor. Was passiert da mit dir? Eventuell bist du neidisch auf andere Menschen oder machst dir Gedanken ob du attraktiv genug für bist und sabotierst dich dadurch selbst überhaupt auf andere Menschen zuzugehen. Wenn du in einer Beziehung bist überlegst du womöglich, ob dich dein Partner für eine andere Person verlassen würde, die attraktiver ist. Und dann bist du eifersüchtig, handelst dementsprechend was dazu führt, dass das irgendwann tatsächlich passiert (die soggenante selbsterfüllende Prophezeiung).

Wenn du unglücklich mit deinem Körper bist, willst du dich nicht anschauen. Kann sein, dass du zu wenig isst, oder zu viel und dich dann noch schlechter fühlst. Eventuell machst du keinen Sport, weil du zu beschäftigt damit bist über dein Problem nachzudenken. Oder du isst Schrott, um deine negativen Gefühle loszuwerden, und deine Gesundheit verschlechtert sich dadurch.

Kann sein, dass du dadurch ängstlich wirst, deinen Körper, deiner Gesundheit oder deiner Beziehung schadest. Dann isst du noch mehr oder weniger um dieses Angstgefühl loszuwerden. Oder du kaufst unfassbar viele Klamotten, damit du dich wieder wohler fühlst, hast aber eigentlich gar kein Geld dafür. Oder du trinkst Alkohol, um dich zu betäuben oder bingst Netflix, um ja nicht darüber nachzudenken.

Bei deiner Arbeit bist du unglücklich, weil du nicht selbstbewusst genug mit dir umgehen kannst. Also vermeidest du die Themen, die Selbstbewusstsein brauchen und deiner Karriere helfen. Kann sein, dass du bei einem Arbeitgeber bleibst und nicht nach etwas suchst, wofür du eine größere Leidenschaft aufbringen kannst. Du denkst du bist nicht gut genug. Selbst bei der Arbeit tust du alles dafür, um ja nicht über deinen Zustand nachzudenken und du prokrastinierst, lässt dich ablenken, spielst PC-Spiele oder chattest. 

Es gibt noch viele weitere Möglichkeiten, aber ich denke, du hast verstanden was ich meine. Nicht jeder hat diese Symptome, aber es ist allen möglich so zu reagieren. Viele unserer Probleme kommen von diesem einen Problem und dieses zu lösen kann für viele die Welt verändern.

Wenn du nun also nur eine begrenzte Zeit hast, um Neues zu lernen (so geht es ja allen), dann solltest du diese Zeit dafür aufwenden, diese eine Fähigkeit auszubauen. Denn das kann sich in vielerlei Hinsicht auszahlen. Es ist die wichtigste Fähigkeit, die du brauchst.

Warum wir so sind

Wenn es denn so schlecht für uns ist, warum sind wir dann so? Wie ist es dazu gekommen? Tatsächlich gibt es darauf keine allgemein gültige Antwort. Die Situation ist aus einer Vielzahl an Gründen entstanden, unter anderem:

  • Massenmedien: Wir sehen all diese Promis mit ihren perfekten Gesichtern, Körpern, ihrem Geld und ihrem tollen Leben. Im Internet, Fernsehen, in Zeitschriften oder bei Instagram. Einfach überall. Sie werden als super wichtig gefeiert und gewissermaßen wollen alle wie sie sein. Aber das ist natürlich nicht real. Sie sind gephotoshopped, gemakeuped, gefaked oder bauen in irgend einer Weise eine Illusion auf, der wir gar nicht stand halten können. Selbst jene, die scheinbar so authentisch wirken, zeigen mit ihrem Auftreten nur einen Teil ihrer tatsächlichen Realität. Und trotzdem vergleichen wir uns, bewusst oder unterbewusst mit dieser Illusion. Und selbst wenn sie real wären, warum wollen wir dann sein wie sie? Warum können wir nicht einfach wir selbst sein und unser Idealbild selbst definieren?
  • Kommentare anderer Menschen: Freunde, Familie, Arbeitskollegen, selbst Partner können unschuldige Kommentare abgeben über uns, die uns mies fühlen lassen. Es sind winzig kleine Details, die unser Selbstbewusstsein hart angreifen können. Fast immer geht es dabei überhaupt nicht um uns, und trotzdem nimmt uns sowas mit. Dabei geht es eigentlich um die Person, die das sagt, die wohl einen schlechten Tag hatte, neidisch ist oder ihre Unsicherheiten vor dir verstecken will. Nimm diese Kommentare als das was sie sind und nehme sie dir nicht zu Herzen.
  • Kindheitserlebnisse: In unserer Kindheit haben unsere Eltern eventuell etwas gesagt, was uns nicht gut getan hat. Vielleicht haben sich deine Eltern getrennt, irgendwer hat irgendwen verlassen, irgendwer ist gestorben und aus diesen Gründen heraus haben wir nun das Gefühl selbst nicht genug zu sein. Wenn dein Vater zum Beispiel gegangen ist, fragst du dich ob es an dir lag. Klingt wie ein psychologisches Riesengemetzel, aber es ist einfach Fakt. Ich habe das selbst erlebt, bei mir und anderen. Und doch heißt es nicht, dass es unser jetziges Leben bestimmen darf. Aber wir sollten uns bewusst sein, dass es da ist und lernen damit umzugehen.
  • Scheitern: Vielleicht haben wir Fehler gemacht, sind gescheitert mit etwas das wir machen. Ehrlich, jeder hat das schon erlebt. Aber wenn es passiert, dann nehmen wir es uns ziemlich zu Herzen. Es führt dazu, dass wir uns schlecht fühlen. Wir denken wir sind nicht diszipliniert oder gut genug. Das führt zu weiteren Misserfolgen, die unserem Selbstbild schaden.
  • Gesundheitsprobleme: Dein Hüftspeck und dein weicher Bauch sollten nichts sein womit du dich schlecht fühlst. Liebe dein Aussehen. Eine andere Sache ist unser körperlicher Gesundheitszustand. Wir tendieren dazu das zu vermischen. Zu dünn oder zu dick sein führt dazu, dass wir uns schlecht in unserem Körper fühlen, kann aber eigentlich von unserem Körpergefühl getrennt werden. Wir können uns in unserem Körper gut fühlen und trotzdem erkennen, ob wir zu viel oder zu wenig wiegen. Wir können trotzdem wahrnehmen, ob wir das zu gesundheitlichen Problemen führen kann. Es kann also Sinn machen zu- oder abzunehmen, selbst wenn wie nicht wie irgendein Promi aussehen wollen. Wir wollen uns wohl fühlen und gesund sein. Das wiederum kann unserem Selbstbild gut tun.
  • Negative Gedankenspiralen: Ein negativer Gedanke führt zum nächsten und noch einem bis sich irgendwann ein Bündel aus negativen Gedanken zu unserem Selbstbild formt. Dieses negative Selbstbild beeinflusst alles was wir tun. Aber wir sind nicht dieses Selbstbild und diese Gedanken. Es sind Dinge, die uns passieren, aber sie definieren uns nicht. Wir können damit umgehen, und lernen sie in positive Gedanken, Dankbarkeit und Glück umzuwandeln.

Dies sind nur ein paar der Gründe. Tatsächlich gibt es noch viel mehr, was unser Selbstbild beeinflusst, aber es wäre unmöglich alles davon aufzuzählen. Es ist ein guter Anfang sich dessen bewusst zu sein, um damit umgehen zu lernen.

Wie man Selbstliebe lernt

Lass uns davon ausgehen, dass du meine Annahme akzeptiert hast, dass es wichtig ist zu lernen mit sich selbst glücklich zu nein. Und lass uns das Selbstliebe nennen (I know it’s cheesy Baby!). Wie fängst du damit an?

Die einfache Antwort heißt: üben. Die komplizierte Antwort ist, dass es eine Weile dauert, weil auch unser Selbstbild nicht über Nacht gewachsen ist. Und so wird es sich nicht von einem Tag auf den anderen verändern. Das ist ok. Konzentriere dich einfach auf den Moment, während du lernst loszulassen.

Ich kann dir hier keine vollständige Anleitung dazu geben wie du dich selbst lieben lernst. Dafür braucht es ein ganzes Buch und ich bin ja selbst noch dabei es zu lernen. Aber hier mal ein paar Tipps:

  1. Werde dir deinem mentalen Film bewusst. Du spielst einen Film (oder eine ganze Serie) in deinem Kopf über dich ab. Wir sind uns dessen selten bewusst, aber es passiert den ganzen Tag. Dieser Film handelt davon wer wir sind: du bist zu dünn, zu dick, nicht diszipliniert genug, nicht liebenswert, du kannst das nicht. Fang an achtsam zu sein, wenn dieser Film in dir losgeht. Er bestimmt nämlich alles was du tust. Sei dir klar, dass das nicht du bist, sondern, dass sich das alles nur in deinem Kopf abspielt. Sei dir bewusst, dass das nicht der Realität entspricht, dass es nicht stimmt. Realisiere, dass du es verändern kannst.
  2. Drehe einen neuen Film: Dein neuer Film wird den alten ersetzen, der gerade noch in deinem Kopfkino läuft. Such dir aus, ob du ihn von Till Schweiger, Quentin Tarantino oder Steven Spielberg produzieren lassen willst, welche Schauspieler (also dich) und welche Special Effects eingesetzt werden. Lass diesen Film auf Grundlage deiner heutigen Realität basieren, nicht auf deinen Kindheitsängsten oder Medienillusionen. Stattdessen handelt er von dir, einem tollen, liebenswerten und wunderbaren Menschen. Selbst wenn du das nicht über dich denkst, machst du trotzdem so einen Film über dich. Frage andere Menschen was liebenswert an dir ist (natürlich nur solche, die dir auch eine liebe Antwort geben werden). Nimm diese Bilder für deinen neuen Film. Wenn die negativen Bilder zurückkommen (uhhh mein Bauch ist zu dick!), schneidest du sie raus und sagst ihnen, dass für sie absolut kein Platz in deinem Film ist. Stattdessen fügst du bessere Bilder ein.
  3. Spiele den neuen Film bewusst ab: Lerne wahrzunehmen, wenn der alte Film wieder aufflimmert und schalte ihn aus. Spiele stattdessen den neuen Film an der Leinwand ab. Übe dich darin, als wäre es deine neue Religion, der du eifrig anhängst (Ohm Namah Shivaja!). Mit konstanter Übung wirst du darin besser. Setze dir immer wieder Erinnerungen dafür, damit du das nicht vergisst.
  4. Lerne mentales Karate: Es werden Dinge um dich herum passieren, die versuchen deinen Film anzugreifen. Kommentare von Freunden, Dinge die du bei Facebook oder Instagram siehst, Leute die auf der Straße dummes Zeug schwätzen. Wenn es losgeht damit, dass sie sich gegen dich richten, lernst du das auf die Seite zu legen und lässt sie labern. Gib dir und ihnen einen kleinen Hinweis, einen Gedanken wie: „bei diesem Spruch geht es nicht um mich, sondern um dich“ (und dann umarmst du diesen Freund, denn er hatte bestimmt einfach einen schlechten Tag). Wenn du dich in sozialen Medien aufhältst und dich mit irgendwelchen Stars vergleichst, dann schenke dir einen Gedanken wie „Dieser Promi hat wahrscheinlich die selben Sorgen um seinen/ihren Körper und ein flacher Bauch löst das Problem auch nicht“. Geb dieser Person im Geist eine Umarmung und spiele danach wieder deinen neuen Film ab.

Du bist schon perfekt, du hast es nur noch nicht realisiert. Du brauchst nichts und niemanden um das Problem zu lösen, denn es steckt schon in dir. Alles was nötig ist, ist Übung, als wäre es die wichtigste Sache in deinem Leben. Denn in vieler Hinsicht ist es das auch.

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.