Wie du dir der Geschichten, die du dir erzählst, bewusst wirst

Es gibt einen versteckten Mechanismus in uns, der Unzufriedenheit kreiert, uns in schlechten Gewohnheiten verharren lässt, Beziehungsprobleme auslöst, Frustration, Wut und Enttäuschung. Fast niemand ist sich dieses versteckten Mechanismus bewusst, auch wenn er in jedem von uns ständig abläuft. Es ist die Geschichte, die wir uns selbst erzählen.

Wir machen das den ganzen Tag: wir erzählen uns eine Geschichte über unser Leben, über andere Menschen, über uns selbst. Wenn ich das „Geschichte“ nenne, dann bedeutet das nicht, dass es falsch ist. Es bedeutet nur, dass wir ein Narrativ auf Basis unserer Erfahrungen konstruiert haben, eine bestimmte Perspektive über die Welt um uns herum eingenommen haben, eine Interpretation von Fakten, die wir wahrnehmen. Sie ist nicht falsch, aber auch nicht unbedingt die ganze Wahrheit, eben eine Perspektive.

Eine andere Person könnte dieselbe Situation betrachten und auf eine ganz andere Geschichte kommen.

Hier ein paar Beispiele:

  1. Vielleicht hast du eine Geschichte dazu im Kopf wie dein Chef dich unterstützt und lobt, wie sehr du dein Arbeitsumfeld schätzt und diese Geschichte macht dich glücklich. Eine andere Person könnte in derselben Situation sein und eine völlig andere Geschichte erzählen. Dass der Arbeitsplatz beispielsweise total chaotisch ist, die Menschen einen dorr ständig unterbrechen und die Kunden total unfreundlich und unangenehm sind.
  2. Du bist sauer auf deinen Partner, weil er sich wie ein Trampeltier benommen hat oder weil er die letzten Tage nicht hinter sich aufgeräumt hat. Eine andere Person ist womöglich in derselben Situation, aber hat eine ganz andere Geschichte im Kopf: der Partner arbeitet hart und hat sich zurückgezogen um etwas tolles zu kochen oder ist einfach müde und braucht etwas Erholung.
  3. Du hast eine Geschichte im Kopf darüber warum es gar etwas bestimmtes nicht tun kannst, warum du etwas nicht kannst, dass du keine Geduld und Disziplin hast. Eine ganz andere Geschichte wäre es, dass du schon einige tolle Dinge in deinem Leben erreicht hast, dass du leidenschaftlich gerne Neues lernst und dass das gegenüber deiner Arbeit an Priorität gewonnen hat.

Jedes dieser Beispiele zeigt ein und dieselbe Situation aus zwei sehr unterschiedlichen Perspektiven. Der Knackpunkt ist, auf welche Einzelheiten du achtest und wie du sie deine Geschichte formen lässt.

Nun ist es erstmal etwas völlig neutrales, dass du dir eine Geschichte konstruierst. Das manchen wir alle die ganze Zeit, daran ist nichts schlechtes. Aber wir sind uns oft nicht bewusst, dass wir das tun und wir verstehen nicht wie sehr das unseren Gemütszustand beeinflusst, unser Glück, unsere Beziehungen und unsere Zufriedenheit.

Wie du dir der Geschichte bewusst wirst

Über den tag hinweg erzählst du dir Geschichten darüber was passiert, wie schlecht andere Menschen in ihrer Tätigkeit sind und wie gut oder schlecht du in dem bist was du machst.

Meine Herausforderung für dich ist es einfach mal darauf zu achten was du dir da eigentlich den ganzen Tag über dich und andere erzählst.

Es ist wichtig sich bewusst zu werden welche Geschichten das sind und wie sie dein Glück beeinflussen. Wenn dich die Geschichte unglücklich macht und du dir dessen bewusst wirst, dann ist das toll! Wenn es dir nicht gelingt, dann ist es kein Thema wenn es dich so oder so glücklich macht. Aber es wird ein Problem, wenn du dadurch unzufrieden wirst. Wenn du dir dessen nicht bewusst bist, kommst du irgendwann in Schwierigkeiten.

Werde dir also deiner guten und schlechten Geschichten bewusst. Nimm sie wahr, wie sie sich über den Tag hinweg entwickeln.

Nimm wahr, wenn du dich in einer Geschichte verlierst, sie sich in deinem Kopf immer weiter spinnt. Er oder sie hätte das so oder so nicht tun sollen, du wirst immer frustrierter und unzufriedener. Wenn du dich in einer Geschichte verrennst wird es schwer sich davon wieder zu lösen. Sich dessen bewusst zu sein ist ein wichtiger Schritt dorthin.

Was wir wirklich tun können

Was können wir also wirklich tun wenn wir uns in einer Geschichte verstrickt haben? Es kann schwierig sein sich da wieder herauszuwinden. Das passiert mir ständig. Ich habe eine Geschichte im Kopf, die so wahr und real wirkt, dass ich sie nicht gehen lassen will.

Das erste was du tun kannst, ist die Geschichte als einen Traum zu betrachten. Es bedeutet dann nicht, dass die Geschichte falsch ist, aber eben auch nicht wahr. Sie ist etwas, das sich in deinem Kopf abspielt, wie ein Traum, aber mit sehr realen emotionalen Ergebnissen. Sehe sie als einen Traum, und versuche aus diesem Traum in die physische Realität zurückzukommen. Was nimmst du wahr? Was passiert da gerade in der wahren Welt und nicht in deinem Traum?

Das zweite was du tun kannst, ist nicht auf die Geschichte zu reagieren. Selbst wenn du in in drin bist, bedeutet das nicht, dass du jemanden anderen angreifen musst, vor etwas weglaufen musst, dich davon ablenken oder zurück in deine Komfortzone gehen musst. Bleib einfach mal sitzen, nimm wahr wie du dich fühlst, betrachte die Gefühle die da in deinem Körper hochkommen. Nimm wahr was dich bewegt. Aber handle nicht, bleib einfach bei deiner Achtsamkeit.

Es gibt auch noch eine ganz andere Art: ein Leben in welchem du dich nicht an Geschichten hängst, sondern sie stattdessen hinter dir lässt. Eines, in welchem du dir des Moments bewusst bist, ohne ihn zu interpretieren, ohne ihn zu werten und Vorurteile zu bilden. Die Geschichten werden weiterhin aufkommen, aber du kannst sie dann einfach wahrnehmen ohne dich davon einnehmen zu lassen. Und wenn es dir doch passiert, dann nimmst du es wahr und hältst nicht weiter daran fest, du kommst einfach in den jetzigen Moment zurück.

Nun ist das eine Fähigkeit, die ich als eher fortgeschrittenes mentales Kickboxen bezeichnen würde. Die Meisten von uns halten nicht lange durch.  Beginne also damit dich auf die Geschichte zu konzentrieren, sie als Traum zu deuten und nicht auf sie zu reagieren.

Aus diesem Weg gelingt es dir, dich weniger von ihr einnehmen zu lassen, und einfach im Moment zu sein.

 

 

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