… ob du Zeit und Geld hast

Ich komme aus einem Umfeld, in dem viele Menschen sich durch zwei Gedanken limitieren lassen. Der erste Gedanke lautet „ich habe kein Geld“. Der zweite Gedanke, der dabei auch noch aufkommt lautet „ich habe keine Zeit“.  Es hindert sie daran viele Dinge zu tun, die sie gerne tun würden. Genau diese Menschen sind es aber auch, und ich zähle mein alter Ego da auch dazu, die nicht ins tun kommen. Sie ändern nichts an der gegebenen Situation, sondern verharren darin. Statt in die Selbstanalyse zu kommen, jammern sie, blockieren sich gegenseitig und schieben Verantwortung von sich selbst ab. Es klingt hart was ich sage, und das ist es wohl auch. Je mehr ich mich aber damit auseinandersetze, desto mehr bin ich davon überzeugt, dass es eben einfach nur in unseren Köpfen steckt.

Ich möchte dazu drei Beispiele geben: 

Beispiel 1:

Ich bin in einer Familie aufgewachsen, die immer gespart hat wo sie konnte. Ich wurde mit dem Glaubenssatz erzogen, dass man nicht all sein Geld ausgeben darf, sondern immer an die Zukunft denken sollte. Zugleich ging dies, auch aufgrund anderer Umstände wie dem Tod meines Vaters, so weit, dass wir für lange Zeit in einem grundsätzlichen Mangel verharrten. Geld ist ein knappes Gut, auf das man sehr gut aufpassen muss, so die Devise. Geld zu bekommen ist schwierig und anstrengend. Um Geld zu bekommen kann man zwei Dinge tun: 1. Man geht zum Staat und bittet ihn darum, dafür füllt man viele Anträge aus. 2. Man geht arbeiten und verdient dabei in Abhängigkeit der Zeit.  Weil ich aber zugleich sehr viele Wünsche hatte, denn ich wollte ja zu den coolen Kids gehören, die reisen, schicke Klamotten tragen und viel feiern gehen, war das hart beantragte oder erarbeitete Geld in kurzer Zeit auch wieder weg. Dementsprechend korrekt war die Aussage „ich habe kein Geld“ und aufgrund dessen, dass ich dafür viel tun musste, auch die Aussage „ich habe keine Zeit“. 

Beispiel 2:

Ich habe einen Bekannten, der im Vertrieb arbeitet und sehr gut verdient. Auch er kommt aus einem Umfeld, in dem Geld immer ein knappes Gut war. Nun wo er ein so hohes Gehalt hat, möchte er es auch genießen. Er arbeitet 40-50 Stunden pro Woche und hat damit genug Zeit das Geld auch schnell wieder loszuwerden. Er hat eine sehr große Wohnung, die er kaum nutzt, ein Auto mit dem er angeben kann, fährt 2-3 mal pro Jahr sehr weit weg in Luxusurlaube und erlaubt sich auch sonst viele Späße. Trotz seines sehr hohen Lebensstils und seiner moderaten Arbeitszeit, ist er immer gestresst. Ihn plagt der Gedanke, dass er kein Geld hat und es nervt ihn, dass er umso weniger Zeit für sich hat. Eigentlich weiss er gar nicht, was „Zeit für sich haben“ eigentlich für ihn bedeutet.

Beispiel 3:

Viel davon lässt sich auch auf eine Frage herunterbrechen, die ich irgendwann im Studium aufgeschnappt habe. Es geht darum, was du tun würdest, wenn man dich vor die Wahl stellt entweder heute einen Euro zu bekommen oder zwei Euro in einem Monat. Jene Menschen, die nicht in der Lage sind weit und langfristig zu denken, entscheiden sich für Option 1. Mich wundert nicht, dass diese Leute sagen, dass sie keine Zeit und kein Geld haben. Ist das fies? Nö, finde ich nicht. Sie haben jederzeit die Möglichkeit sich für Option 2 zu entscheiden. Es bedeutet kurzfristig auf etwas zu verzichten, um langfristig besser zu leben. Was das bedeutet und wie das aussieht, sollte jeder für sich entscheiden.

Was wäre nun also, wenn es möglich wäre aus diesem Kreislauf rauszukommen? Wenn es dazu noch relativ simpel ist? Kannst du dir vorstellen, dass es einfach nur eine Frage der Sichtweise ist? Wenn sich einfach nur deine persönliche Einstellung zu Geld und Zeit ändern würde? Denkst du, es wäre dir möglich etwas zu ändern? Ich bin davon absolut überzeugt. Und nein, das ist nun kein Text a la „Durch Hypnose reich werden“ oder „tue diese drei Dinge und morgen ist alles gut“. Aber es nervt mich mittlerweile einfach nur noch, wenn ich von meinen Freuden und meinem Umfeld höre, dass es unmöglich ist Geld und  zugleich Zeit zu haben und zudem noch ein ehrlicher Mensch zu sein. Weil es nicht stimmt. Was du dazu jedoch brauchst ist Selbstkontrolle, Disziplin, ein offenes Herz, Selbstanalyse und Toleranz.

Dinge, die du immer und jederzeit tun kannst

Ich möchte daher noch ein paar Gedanken loswerden, was man immer, jederzeit und unabhängig des eigenen Einkommens und Vermögens tun kann, um sich von den Gedanken zu lösen, dass man keine Zeit und kein Geld hat und dies dann auch in seine Realität verwandelt.

Bildung nutzen

Ich fange bei dem an, was mich von klein an unfassbar geprägt hat und wofür ich wirklich wirklich dankbar: meine Bildung. Diese war und ist jederzeit unabhängig meiner finanziellen Mittel gewesen und hat mich zugleich immer weiter gebracht. Ich meine damit nicht nur Schul- und Universitätsbildung, sondern jegliche Form der Weitung des eigenen Horizonts. Sei es durch Freunde und Bekannte, Bücher (aus der Leihbücherei), Seminare, Vorträge (an öffentlichen Orten), Onlinekurse, Sprachkurse (die an der Uni oder in Volkshochschulen angeboten werden) oder klassische Vorlesungen (zu der jeder Mensch Zugang hat): für mich war und ist es das Sprungbrett in ein gesundes und wohltuendes Umfeld. All das kostet Zeit, ja. Aber sie rentiert sich langfristig umso mehr, wenn du weißt was du mit deinem Wissen anfangen willst. In vielen Fällen kostet sie kein oder kaum Geld, und selbst wenn sie nicht umsonst ist, ist der Nutzen, den du daraus schöpfst ein Vielfaches davon wert.

Das richtige Umfeld haben

Es bringt dir nichts, dich mit Miesepetern zu umgeben, die dich an ihrer Gedankenwelt teilhaben lassen, die dich demotivieren und herunterziehen. Suche dir Menschen, die dich fördern und fordern, oder dich zumindest einfach machen lassen, ohne dir im Weg zu stehen. Jeder Mensch, der irgendwo hinwill, braucht auch Vorbilder. Orientiere dich vor allem zu Beginn eines Weges an anderen Menschen, das macht es dir leichter. Kostet das Geld? Nein? Kostet das Zeit? Nein, im Gegenteil sparst du sogar an Zeit, wenn du eine klare Orientierung hast und auch aus den Fehlern anderer lernst.

Meditation üben

Neben der Außenwelt halte ich die eigene Selbstanalyse für unfassbar wichtig. Nur indem man auch in sich hineinhorcht kommt man weiter. Wenn du spürst, dass da irgendwo eine Angst in dir ist, dann ist das ein gutes Zeichen. Denn du hast dann die Möglichkeit diese rational zu durchdenken, abzuwägen und dich davon zu lösen. Du lernst dich, deine Wünsche und dein Wesen kennen. Nur wenn du weißt, wer du bist und was du willst kannst du die für dich richtigen Entscheidungen treffen. Und du kannst in der Meditation auch beispielsweise Dankbarkeit üben. Indem du dich immer wieder daran erinnerst, wofür du dankbar bist, lernst du den Wert deines Lebens zu wertschätzen. Und das ist doch wirklich total unabhängig von Geld oder Zeit, oder?

Prioritäten setzen

Du kannst nicht alles machen, aber du kannst alles machen was du wirklich willst. Das ist oft ein Trade-off. Dir sollte also klar sein, was deine Prioritäten sind und was du bereit bist dafür (für eine Weile) aufzugeben. Wenn du im Alter beispielsweise nicht nur von deiner mickrigen staatlichen Rente leben willst, macht es Sinn, dafür heute weniger Geld für Klamotten und Parties auszugeben. Stattdessen investierst du es. Wenn du Bock hast einen spannenden Job zu bekommen, dann macht es Sinn auf andere Jobs zu verzichten, die dich nicht weiterbringen.  Du willst doch gar nicht alles machen, bei vielen Dingen reicht es, wenn du weißt, dass du die Möglichkeit dazu hast. Also wähle klug und bedacht aus und bleibe dann eine Weile dabei, bis sich neue Optionen finden. 

Handeln 

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. All die oben genannten Punkte bringen nur etwas, wenn du sie auch tust. Wenn du nur darüber philosophierst und nachdenkst, eignet sich das wohl maximal für einen Blog, ein Buch oder ein Seminar. Aber auch das musst du dann eben schreiben bzw. umsetzen. Lass deine Gedanken zu Realität werden, indem du ins handeln kommst.

 

Deutschland geht es sehr gut. Es herrscht fast Vollbeschäftigung und kluge Menschen werden überall gesucht. Zudem entstehen durch die Digitalisierung so viele neue Möglichkeiten etwas aufzubauen, und dies auch noch von allen Seiten her gefördert wird. Daher lasse ich die Aussage „ich habe kein Geld“ nicht gelten. Klar, wenn du eine Familie oder Tiere hast, oder auch so nicht nur arbeiten willst, sondern auch im hier und jetzt leben willst, dann hast du nicht unendlich Zeit. Im Gegenteil ist sie eigentlich dein knappstes Gut. Aber du kannst auch das in den Griff bekommen, indem du unwichtiges weg lässt, Lösungen findest und die Fünf auch mal gerade sein lässt. 

Was also aus meiner Sicht die einzige Determinante ist, ist deine persönliche Einstellung, die Weise wie du die Welt sehen willst und was du daraus dann für dich umsetzt. Manchmal hilft es auch, sich das einfach regelmäßig selbst zu sagen. „Ich habe Zeit für das was ich will“ und „Ich habe genug Geld oder finde Wege es zu bekommen“. 

Natürlich ist auch dieser Text keine abschließende Fassung, es gibt sicherlich noch einige andere Punkte, die helfen sich aus dem Kreislauf zu lösen. Aber es ist ein möglicher Anfang, von vielen. Zum Glück.

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