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Ich bin in einer schwäbischen Großfamilie aufgewachsen. Der harte Kern bestehend aus meinen Eltern, meinem Bruder und mir  war dabei durchaus etwas „anders“. Auch wenn wir sehr liebevoll und jederzeit bei meinen Großeltern aufgenommen wurden, so lebten wir eigentlich fernab in Bayern. Also dort wo man laut meiner schwäbischen Verwandtschaft einen sehr lustigen Akzent spricht und das R so komisch rollt. Auch in Bayern waren wir aufgrund der Hörschädigung meiner Eltern wiederum immer etwas „anders“. Gerade deswegen wurden wir wohl immer offen und willkommen von allen geheißen. Ich habe aus dieser Zeit eine gewisse Vogelperspektive auf süddeutsche Städte und Vororte gewonnen, die mich immer wieder amüsiert. Manchmal verwundert sie mich auch und lässt mich vieles nicht allzu ernst nehmen.

Was ich aber immer wieder mit großen Respekt sehe ist, dass sowohl die Schwaben als auch die Bayern ein fleißiges, herzliches und offenes Volk sind. Mein Großvater war der großzügigste Mensch, der mir je begegnet ist, mit dem offensten Herz und jederzeit bereit zu geben. Gemeinsam mit meiner Großmutter hatte er 6 Kinder großgezogen, aus welchen ebenfalls ganz wunderbare Menschen geworden sind.

Ich trage unterbewusst so viele schwäbische Gewohnheiten in mir, die mir erst im Gespräch über Geld mit anderen Menschen klar geworden sind. Und ich erkenne diese jeweilige Prägung mittlerweile auch bei anderen. Wer als Kind nicht gelernt hat ein bestimmtes finanzielles Mindset anzunehmen, dem fällt es als Erwachsener umso schwerer. Auch wenn es dann noch möglich ist. Gerade bei jenen, die im Elternhaus nicht gelernt haben achtsam mit Geld umzugehen, erkenne ich heute eine enorme Gestresstheit und Unzufriedenheit. Ich kann diese zwar verstehen, aber nicht wirklich nachvollziehen.

Gerade weil mir das bewusst geworden ist, möchte ich hier mal eine Zusammenfassung dessen geben, was ich durch die Schwaben gelernt habe. Wohl wissend, dass auch dies nur ein Schritt von vielen ist:

  • Man kann sich mit wenig Mitteln ein wunderbares Leben aufbauen
  • Der erste Schritt dorthin ist die Bescheidenheit, oder aus finanzieller Sicht die Sparsamkeit.
  • Man braucht Ziele, um etwas zu erreichen: Meine Eltern wollten ein Eigenheim und eine Familie. Mein Vater war aufgrund seiner Hörschädigung sehr lange arbeitslos. Weil er aber das Ziel hatte mit meiner Mutter eine Familie zu gründen und ein Haus zu bauen, suchte er immer weiter. Er fand nach einer Weile einen Job und mit viel Glück auch ein Haus in dem wir gut lebten. Wenn ich heute auf diese Zeit zurückschaue, dann erstaunt es mich, aus wie wenig Mitteln so viel wachsen konnte.
  • Man braucht Prioritäten: Als Kind gab es für uns keine großen Urlaube, weil unser Haus abbezahlt werden sollte. Stattdessen waren wir jedes zweite Wochenende in den Bergen (die Hütte wurde von einem Verein in dem meine Eltern Mitglied waren getragen). Wenn wir dort nicht waren, besuchten wir unsere Großeltern am See oder machten Ausflüge in die Natur.
  • Sehe „andersein“ als etwas Positives an: Ich war nie neidisch auf die Barbiepuppen der anderen Mädchen.Die alte Carrera-Bahn und Legosteine meiner Onkel  waren immer schon viel cooler. Ich war es gewohnt „anders“ zu sein, also hatte ich auch hier kein Problem damit. Ich fand es auch als Kind schon viel spannender mein Taschengeld auf mein Sparkonto zu legen, als mir mehr Süßigkeiten zu kaufen. Heute würde ich sagen, dass ich aufgrund dieser Prägung nie Hemmungen hatte mich auch mit technischen und finanziellen Themen auseinanderzusetzen. Man kann das Muster auf so vieles weitere übertragen.
  • Zeit ist wichtiger als Geld, lasst den Fernseher aus: Ich hatte die coolste Kindheit, nicht weil ich die meisten Videospiele hatte, sondern weil ich kreativ werden durfte. Den meisten Spass hatte ich dabei, weil im Wald zu spielen, zu schnitzen und aus Kräutern Hexentrunke zu brauen. Ich erinnere mich heute noch gerne daran, die Stunden vor dem Fernseher habe ich fast vollkommen vergessen.
  • Dort wo Liebe und Offenheit hinfließt kann etwas nachhaltiges wachsen, dort wo Neid und Missgunst herrscht, kann nichts vorangehen.

Es stimmt schon, dass meine Generation im Schnitt derzeit real nicht mehr so viel Geld verdient wie die Generation unserer Eltern. Die Finanzkrise hat dazu tatsächlich beigetragen. Es stimmt auch, dass die Mietpreise in deutschen Großstädten für viele Menschen eine große Belastung sind. Was ich auch verstehe ist, dass unsere Generation ein starkes Bedürfnis nach einem Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit sucht. Aber was ich tatsächlich nicht erkennen kann, ist der Unterschied der Handlungsmöglichkeiten zu früheren Generationen. Aus meiner Sicht sind wir hier in Deutschland freier denn je, unabhängig von Hautfarbe, körperlicher Verfassung, Gesinnung und Geschlecht das zu tun worauf wir Lust haben. Es ist einfach eine Frage der Zeit und dem was man aus ihr macht.

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