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Ich weiß, dass ich nichts weiß. Cicero

Es gibt keine absolute Wahrheit

Ich wurde zwar in einem christlichen Umfeld geboren, würde mich aber nie als gläubige Christin bezeichnen. Ich praktiziere Yoga und halte viele Geschichten aus meinem Studium trotzdem eher für nette Stories als für ernstzunehmenden Inhalt. Es gibt so viele Sagen um Gott, Götter und Gurus und ich empfinde sie als ausgezeichnete Unterhaltung. Ich bin viel zu rational eingestellt, als dass ich etwas ohne selbst darüber nachgedacht, es erlebt oder gesehen zu haben einfach Glauben schenke. Ich denke sehr gerne und doch merke ich immer öfter wie ich damit an Grenzen stoße, die ich nur anderweitig öffnen kann.

Stell dir vor, du triffst irgendwo einen Christen, Moslem oder Hindu aus dem 15ten Jahrhundert und er sagt dir, dass wir ja auch denjenigen Glauben schenken, die uns Bilder von einer runden Erde und Geschichten von schwarzen Löchern erzählen. Könntest du dem etwas entgegenbringen? Ich nicht, um ehrlich zu sein, außer daß ich ihm genauso Bilder zeigen würde wie er mir. Weder war ich jemals in einem Spaceshuttle unterwegs, noch habe ich mich ausreichend mit Physik beschäftigt, um meine Hand für die Existenz von schwarzen Löchern ins Feuer legen zu wollen.

Wie wäre es denn, wenn wir der Diskussion um „die Wahrheit“ einfach ein wenig Ernsthaftigkeit nehmen? Wenn wir mit einer gesunden Skepsis an diese Themen gehen, wenn wir akzeptierten, dass wir uns auch jederzeit irren können? Ich musste in den letzten Tagen häufig an die alten Griechen und Römer denken, die auch ihre Götter und Götzenbilder hatten. In ihrer jeweiligen Bubble waren diese Stories wahr. Für sie gab es diese Götter tatsächlich, auch wenn wir heute eher milde darüber lächeln.

Was wäre also, wenn auch unser Weltbild unvollkommen ist, wenn wir mit unserer Denkweise falsch liegen? Haben wir uns denn nicht auch unsere eigenen Götter gestrickt, in welcher Form auch immer? Kann es denn nicht auch sein, dass wir uns durch unseren Gott oder unsere Götter von anderen abzugrenzen versuchen? Ich denke, dass es dafür auch in der westlichen Welt starke Anzeichen gibt. Je nach Subkultur sind unsere Götzen Musiker, Schauspieler, Geld, Stress, Wissenschaft, Status und so vieles mehr. Genauso wie wir über „esoterischen Kram“ lachen, lachen andere Völker über unser Weltbild oder sind genauso irritiert, wie wir uns darin wiederfinden können.

Ich war nie eine Klugscheißerin, habe immer schon lieber zugehört als geredet. Und zugleich verliere ich an Letzterem immer mehr meine Freude, wenn ich ehrlich bin. Eckarth Tolle hat einmal Folgendes gesagt:

“Dein Verstand ist ein Instrument, ein Werkzeug. Er hat seinen Nutzen bei bestimmten Aufgaben, und wenn die erledigt sind, schaltest du ihn wieder ab. In Wirklichkeit sind achtzig bis neunzig Prozent des Denkens der meisten Menschen nicht nur nutzlos und repetitiv, sondern oft so gestört und negativ, dass sie geradezu schädlich wirken.“

In diesem Sinne fällt es mir immer schwerer dem Denken der meisten Menschen zu lauschen. Es fällt mir schwer, vielem von dem was gesagt wird zuzuhören und Glauben zu schenken. Wie oft wird mir am Tag gesagt, dass etwas „so“ ist. Dass es einen bestimmten Status quo für einen Zustand geben soll, wenn aus meiner Sicht doch alles im Fluss ist? Dass selbst wenn ich mir die Mühe zur Falsifizierung machen würde, etwas nicht weiter in der Zukunft bestehen muss, was bis dato bestand? Versteh mich nicht falsch, ich bin gerne unter Menschen, aber worauf ich wirklich nicht mehr hören kann sind festgefahrene Prinzipienreiter.

Wie du aus der Denkmühle herauskommst

Ein Grund warum ich mit Yoga und Meditation begonnen habe war, dass ich das starke Bedürfnis hatte, mich aus festgefahrenen Denkmustern zu lösen und auch zu lernen mein eigenes Ego auf ein gesundes Maß herunterzuschrauben. Ich habe gelernt, wie Denken nur ein kleiner Teil eines jeden Menschen ist. Und, dass so viele Erfahrungen tatsächlich erst machbar sind, wenn man den perfektionistischen, kontrollierenden Teil seines Hirns für eine Weile ausknipst. Durch körperliche Ent- und Anspannung habe ich erlebt, was andere nur ansatzweise in Worten wiedergeben können. Nun klingt auch das wieder nach einem heilsbringenden Selbsterfahrungstrip, und irgendwo stimmt das sogar.

Trotzdem wird das Leben um so vieles leichter und schöner, wenn man sich einfach mal auf etwas einlässt wovon man:

  1. keine Ahnung hat, sowie
  2. der am wenigsten gebildete/geübte Mensch im Raum ist und dabei
  3. sein Ego vor der Tür lässt.

Gerade Menschen, die eigentlich ein starkes Bedürfnis nach Kontrolle und Perfektion haben, erlebe ich in solchen Momenten als extrem. Entweder sie können sich vollkommen darauf einlassen und freuen sich an der Entspannung und der neuen Erkenntnis. Oder es gelingt ihnen ganz und gar nicht. In vielen Fällen wird dann kritisiert, weil die gewünschten Ergebnisse nicht sofort eintreten. Und auch das ist für mich einfach nur ein Spiegel einer ungeduldigen, ignoranten und gestressten Gesellschaft.  Auch diesen Menschen will ich langsam nicht mehr zuhören.

Wie wäre es denn, wenn wir statt der Diskussion um „die einzige Wahrheit“ einfach unsere eigene Realität erschaffen? Wenn wir statt zu meckern, zweifeln und kritisieren einfach selbst Fakten schaffen? (Ja, das ist manchmal leichter gesagt als getan, aber „talk is cheap“.) Wie wäre es denn, dass wir einfach weiter offen für Neues bleiben und dankbar für das Bestehende sind, als uns in einer Idee festzufahren und dann auch noch daran rumzunörgeln? Was wäre denn, wenn wir akzeptieren, dass der Großteil des Denkens und Tuns der Menschheit Unsinn ist und uns deswegen auf unser eigenes Thema konzentrieren, statt uns von Spam einnehmen zu lassen?

Auch übrigens: Wir sind schon längst auf diesem Weg. Es wird eine sehr kreative, offene und auch sehr sehr lustige Gesellschaft in der wir dann leben. Ich freue mich schon darauf.

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