Befreie dich von falschen Projektionen

Am vergangenen  Wochenende war ich mal wieder im Ashram und habe zwei Tage lang meditiert und geschwiegen. Dabei habe ich meinen inneren Kritiker recht häufig in mir gehört, teils kam sie aus meinem Unterbewusstsein hoch und versuchte sich neben den positiven und neutralen Gedanken einzunisten. Es ist ein Energieräuber aus fehlerhaften Projektionen, eine fiese kleine Nervensäge, die einfach nur Stress machen will. Und doch muss man sich irgendwie mit ihm auseinandersetzen, damit er einem nicht dauerhaft auf den Keks gehen kann. 

An diesem Wochenende habe ich auch das Konzept von Adhyaropa kennenlernen dürfen. Es geht dabei um Täuschungen, um Irrglauben, um Projektionen. Wenn du beispielsweise ein Konzept über etwas stülpst, das gar nicht wirklich existiert, dann ist das Adhyaropa. Du machst dir etwas vor, sei es, dass du meinst zu wissen, was dein Gegenüber denkt, fühlt oder sieht. Oder, dass du meinst zu wissen wie eine bestimmte Sache zu laufen hat. Du projizierst etwas in eine Situation hinein, vielleicht weil du zuvor bestimmte Erfahrungen gemacht hast, zuviel RTL2 geschaut hast oder eine bestimmte Gruppe an Menschen dir gesagt hat, dass etwas so und so zu sein hat. Egal warum du nun etwas Bestimmtes wahrnimmst, den Yogis nach ist das alles einfach nur Schein und das einzig Wahre ist Brahman (also reines Bewusstsein).  Ich fand diese Erklärung ziemlich gut, insbesondere nachdem ich bemerkte wieviel Spam einem da eigentlich Tag für Tag vor die Nase geführt wird, wieviel Blödsinn man auch denkt, wenn man dem Geist Leerlauf gibt. Wenn man so vor sich hin meditiert und schweigt bemerkt man auch, dass der Grossteil dessen was man sieht, denkt und fühlt tatsächlich eine Projektion des eigenen Kopfes ist und damit *ACHTUNG* veränderbar (YEAH!). 

Mit dieser Achtsamkeit im Gepäck und auf Beobachtermodus getrimmt, fühlt man sich ein wenig wie in der Matrix: Informationen werden bis ins kleinste Detail wahrgenommen, jede noch so kleine Fliege erhält Bedeutung, die Geschmacksnerven boosten sich ins 10-fache und man hat (oder zumindest ich persönlich) kaum noch Lust auf banales Alltagsgerede. Zugleich wird jedes Lächeln, das dir jemand schenkt viel dankbarer wertgeschätzt, und jede Unachtsamkeit führt zu stärkerer Irritation. Und jeder negative Gedanke wird einmal wahrgenommen, akzeptiert und dann aufgelöst. Am Ende bleiben da nicht mehr all zu viele Gedanken übrig, ein richtiges mentales Detox hat stattgefunden. 

Nun kann man sich nicht jedes Wochenende frei nehmen um zu schweigen und zu meditieren. Es genügt jedoch manchmal auch schon, wenn man ruhiger macht, den Fernseher abschaltet, nicht ans Handy geht, nicht noch ein Buch über Selbstoptimierung liest oder sonstige Informationen aufsaugt. Einfach nur still da zu sitzen und seinen Gedanken zu folgen, führt deutlich weiter. So eine kleine Auszeit fokussiert, leert den Spamordner des Gehirns und schaltet auf den Modus „nur noch wirklich wichtige Informationen“.  

Es kann aber auch vorkommen, dass der innere Kritiker dominiert und man einmal richtig Tacheles mit ihm reden muss. Dies ist mir vor einer Weile mal passiert, es dauerte mehrere Stunden bis wir wieder cool miteinander waren.  Bei solch einem Streitgespräch mit sich selbst hilft dann eigentlich nur noch eine gute Portion Selbstliebe und Humor.

Probiere es doch auch einfach mal aus. Nach einer Weile wirst du merken, wieviel Gelassenheit du entwickelst und wie konzentriert du wieder arbeiten kannst. Du verpasst deinem Gehirn einen Reboot, lässt alten Schnodder hinter dir und kannst dich frisch und frei wichtigeren Themen zuwenden. Und zugleich lässt du auch deutlich lockerer, du erkennst, dass das Leben ein Spiel ist, das du lenken kannst. Du entscheidest welchen Projektionen du dich hingeben willst und an was du glauben willst. Du sortierst aus, bemerkst was dich beschwert und was dich leichter machen kann. 

Gerade in einer Zeit wo so viele Menschen im Außen nach dem Glück suchen, sei es auf Reisen, durch Materielles, bei anderen Menschen, Glaubensrichtungen oder der nächsten Herausforderung, finde ich es  umso wichtiger noch mehr auf dieses innere Bewusstsein zu hören. Wir sind schon lange keine Industriemaschinen mehr, die einfach nur mit Volldampf voraus durch die Wand brettern müssen. Und insbesondere dann, wenn man selbst seinen Weg gehen will, muss man einfach auf seine Intuition hören können. Und diese liegt eben manchmal im Verborgenen, gut versteckt hinter zahlreichen fehlerhaften Projektionen. 

Ich möchte dich mit diesem Bericht von meinem Wochenende dazu anregen zum Herbstbeginn auch wieder in die Ruhe zu kommen. Nimm dir täglich 10-20 Minuten für dich in Stille: Meditiere und lausche deinen Gedanken. Und sag mal nicht so viel wie du könntest, beschränke dich auf die wirklich wichtigen Informationen. Komm mehr in die Beobachterperspektive, nimm einfach wahr was in dir geschieht und was in deinem Umfeld passiert. Versuche es auch zu benennen, ohne dem eine starke Wertung zu geben. Nach und nach stellst du deine Automatismen ab, bemerkst hier und da in welchen festgefahrenen Mustern du verharrst. Nutze den Herbst als eine Zeit des Aufbruchs, des Wandels und des Neuanfangs. Aber sehe ihn auch als Möglichkeit zum Loslassen. Ich wünsche dir viel Freude und eine spannende Zeit der Selbsterfahrung dabei.

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