Jeder von uns hat schonmal zu hören bekommen: es sollte uns egal sein was andere Menschen über uns denken. Wir sollten uns vor äußeren Bewertungen  abgrenzen. So sehr ich die Intention begrüsse, sehe ich auch, dass das nicht ganz möglich ist. Wir würden uns selbst anlügen, wenn wir behaupten, dass andere Meinungen uns vollkommen egal sind. 

Keiner von uns ist frei von Bewertungen anderer Menschen und auch nicht solchen, die man sich selbst gibt.

Jeder von uns will vor anderen gut dastehen, jeder von uns macht sich Gedanken darüber wie er auf andere wirkt und ob andere ihn mögen. Facebook, Instagram, Twitter, Blogs und Spiegel existieren allein deswegen. 

Leider führen dies Gedanken jedoch auch zu Stress, wir verweilen in der Aussenwelt, denken darüber nach wie wir bei anderen Menschen ankommen. Bin ich gut gekleidet, fit? Wie sehen die Haare gerade aus (wenn sie noch da sind)? Lachen Menschen darüber was ich schreibe oder finden sie es total komisch? Was denken die Leute, wenn ich dieses oder jenes Bild  poste? Es kostet viel Energie und so ganz lässt uns das auch nie los.

Ich habe vor einigen Jahren tatsächlich mal mein ganzes Facebook neu sortiert, weil ich mich gestalked gefühlt habe. Menschen wussten von Dingen aus meiner Vergangenheit, die ich selbst nicht mehr auf dem Schirm hatte. Es hätte mir in Retrospektive auch einfach egal sein können. Trotzdem war es ein enorm unangenehmes Gefühl und hat mich tatsächlich einige Nerven gekostet.

Auch blinde Menschen, also jene, die selbst nie erfahren haben was in einer Gesellschaft als „schön“ oder „richtig“ gilt, haben das Bedürfnis attraktiv auf andere Menschen zu wirken. Eine Bekannte von mir legt darauf zumindest grossen Wert, und bittet dementsprechend regelmässig um Feedback von ihren sehenden Vertrauten. So ganz kann also keiner von uns diesen Teil an sich vergessen, oder es liegt nicht in unserer menschlichen Natur.

Wir können uns selbst einreden, dass die Meinung anderer uns nicht interessiert oder sowieso keiner an uns denkt. Aber es wird unseren Geist nicht davon abhalten sich damit zu beschäftigen. 

Wir sind gute Menschen, haben alle ein grosses Herz, wollen geliebt werden und wertgeschätzt. Wir haben Angst, dass man uns verurteilt, dass wir in den Augen anderer nicht liebenswert sind. All das sind sehr menschliche Sorgen. 

Was können wir also tun, um raus zu kommen aus diesem unangenehmen Gefühl des „sich bewertet fühlen“? Wie schaffen wir es, entspannt mit Wertungen umzugehen, egal ob diese sehr direkt oder doch eher subtil geäussert werden?

Hier möchte ich dir einen Weg zeigen, der mir immer wieder hilft, mich durch Bewertungen anderer nicht zu stark einnehmen zu lassen: 

  1. Sei dir deiner Gefühle bewusst: Wenn du merkst, dass in dir eine gewisse Angst vor einer Bewertung hochkommt, dann nimm sie wahr. Spüre in dich hinein, wo dieses Gefühl gelagert ist. Wie wirkt es sich auf deinen Atem aus, auf deinen Herzschlag, auf deine Gedanken? Nimm wahr, dass gerade etwas passiert, weil du dich bewertet fühlst.
  2. Begrüsse deine Gefühle: Versuche dich nicht vor ihnen zu verschliessen, sondern begrüsse die hervorkommenden Emotionen. Nimm sie wahr, beobachte sie. Sie sind wie Menschen, die in einen Raum kommen und irgendwann wieder gehen. Nimm sie wahr und gehe freundlich mit ihnen um.
  3. Identifiziere dich nicht: Nimm diese Emotionen wahr wie Wolken, die gerade über einen Berg ziehen. Sie kommen von einer Seite und fliegen dann weiter. Beobachte sie, aber klebe dich nicht daran. Lass sie weiterziehen. 

Es kann gut sein, dass dir immer wieder die selben Gefühle-/Menschen-/Wolkenmuster begegnen, dass du dich nur schwer von einigen Bewertungen lösen kannst, obwohl du merkst, dass sie ein unangenehmes Gefühl in dir auslösen. Auch das gehört dazu, auch das ist vollkommen in Ordnung. Nimm es als Herausforderung an, die du überwinden kannst, als Übung für deinen Geist. 

Ich möchte dich dabei ermutigen dir nun ein paar Minuten Zeit zu nehmen und über das Beschriebene nachzudenken. Denn jeder von uns ist solchen Themen ständig ausgesetzt und oft bemerken wir es nicht mal, lassen uns von aussen steuern. Mit regelmässigen Pausen und Meditation kommen wir aber raus aus diesem Kreislauf der Bewertungen.

Lerne dich selbst besser kennen, insbesondere all die guten Eigenschaften an dir. Sie sind immer da, egal was du tust oder nicht tust, egal welchen Gedanken oder Bedürfnissen du folgst. Und immer, wenn doch mal wieder ein Zweifel daran aufkommt, kannst du die obere Übung machen. 

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