An diesem Wochenende im Ashram war mein Kopf voll mit Gedanken über die Vergangenheit. Ich dachte über ein paar Themen nach, die ich noch nicht abschließen konnte, die mir immer noch im Kopf umher geisterten. Vor allem hatte ich ein schlechtes Gewissen, weil ich mich hier und da gegenüber anderen Menschen falsch verhalten hatte, sei es weil ich überreagiert hatte oder emotional wurde. Jeder von uns kennt das, denn auf so viele Arten hadern wir ständig mit unserer Vergangenheit:

Sei es weil wir Fehler, die wir gemacht haben, bereuen oder uns deswegen schlecht machen. Oder weil wir uns über etwas ärgern,  das uns jemand getan hat, weil wir frustriert sind darüber wie sich die Dinge bisher entwickelt haben oder wir uns wünschen, sie würden sich anders entwickeln. Was wäre, wenn wir die Dinge einfach loslassen und stattdessen im jetzigen Moment sein könnten? Was wäre, wenn wir die Vergangenheit als Vergangenheit belassen und uns dadurch entlasten könnten? Könnten wir sehen, dass unser Festhalten an der Vergangenheit uns tatsächlich weh tut… und das Loslassen als einen liebevollen Akt betrachten, durch den wir uns nicht mehr selbst weh tun? Es ist möglich, obwohl es nicht immer einfach ist. Dafür möchte ich hier vier Schritte aufzeigen, um den Weg dorthin zu vereinfachen.

 

  1. Betrachte die Geschichte, die dir weh tut

Nimm wahr, wenn du Schmerzen oder Schwierigkeiten hast. Sei es Ärger, Frustration, Enttäuschung, Bedauern, Trauer, Schmerz. Beobachte dein Thema und nimm wahr, ob das auf eine Geschichte in deinem Kopf zurückzuführen ist, die in letzter oder weit vergangener Vergangenheit liegt. Manchmal verwechseln wir dabei auch Auslöser. Es kann sein, dass du einen falschen Grund für deinen Schmerz bestimmst, dass du dir eine falsche Geschichte zusammenspinnst, obwohl der eigentliche Grund ein anderer ist. Beachte, dass es damit keine „falsche“ Geschichte ist, aber eben auch keine „wahre“. Es liegt auch keine Bewertung dahinter. Weder ist die Geschichte, die du dir erzählst wahr noch falsch. Es ist lediglich ein Prozess, der sich da in deinem Kopf abspielt.

Du erinnerst dich daran was passiert ist.  Du hast eine Idee davon, eine Bewertung, eine Sichtweise, bei der du der verletze Part bist. Dies erzeugt eine bestimmte Emotion in dir.

Du nimmst also wahr, welche Geschichte du dir erzählst, ganz ohne Bewertung dir selbst gegenüber. Es ist völlig normal, dass dir sowas passiert. Aber nimm auch wahr, wie es dich beschwert, frustriert oder schmerzt.

 

  1. Verweile im physischen Schmerz

Als nächstes willst du dieser Geschichte in deinem Kopf lösen und dich auf deinen Körper konzentrieren. Wie fühlt sich deine Geschichte in deinem Körper an? Spürst du eine Anspannung in deiner Brust, einen stechenden Schmerz oder eher eine Leere in deinem Bauch, eine Energie die in deinem ganzen Köper herumirrt, einen Schmerz in deinem Herzen oder etwas anderes?

Übe dich darin, aus deinem Geist herauszukommen und die physischen Auswirkungen deiner Gedanken zu erspüren. Komm von deinem Kopf in deinen Körper. Verweile darin und begegne diesem Gefühl mit Mut, etwas dem wir normalerweise schnellst möglich entfliehen wollen. Bleibe darin und erkunde es mit Neugier: Wie fühlt es sich an? Wo befindet es sich? Verändert es sich?

Wenn es unerträglich wird, dann gehe es in kleinen Schritten an, auf eine Weise, die für dich machbar ist. Es kann intensiv werden, wenn die Gefühle überhand nehmen.

Aber bei den meisten Emotionen merken wir schnell, dass sie nicht das Ende der Welt bedeuten, dass wir damit klar kommen. Eigentlich ist es nur ein wenig unangenehm, nicht komplett einnehmend oder etwas, weswegen man in Panik ausbrechen muss.

Verweile darin und sei diesen Emotionen gegenüber freundlich und offen. Heiße sie willkommen wie einen guten alten Freund.

 

  1. Atme aus und lasse Unnötiges gehen

Atme in deinen Schmerz hinein und atme dann Mitgefühl und Gutmütigkeit aus. Dabei atmest du nicht nur deinen eigenen Schmerz aus, sondern symbolisch auch den  anderer Menschen.

Wenn du dich beispielsweise frustriert fühlst, dann atme all den Frust dieser Welt ein und atme Frieden aus. Wenn du dich traurig fühlst, atme die Traurigkeit dieser Welt ein und atme Glück aus. Wenn du etwas bereust, dann atme alle Reue dieser Welt ein und Dankbarkeit und Freude aus.

Mache das für eine Minute oder so und stelle dir das so bildlich wie möglich vor. Je mehr du übst, desto stärker wird sich dabei ein Gefühl von innerem Frieden einstellen. Du machst das für dich und andere. Dadurch löst man sich aus dem selbstfokussierten Modus und kann in die Empathie gehen. Dabei merkst du wie du dich von deinen Schwierigkeiten und deinem Schmerz löst.

 

  1. Wende dich mit Dankbarkeit der Gegenwart zu

Wenn du merkst, dass du dich von der Geschichte lösen kannst und dich nicht mehr von ihr einnehmen lässt, dann wende dich dem hier und jetzt zu. Nimm wahr was um dich herum geschieht. Was kannst du erkennen? Kannst du etwas davon wertschätzen? Kannst du für das, was vor dir liegt dankbar sein?

Warum dieser Schritt so wichtig ist? Weil wir immer dann, wenn wir an vergangenem festhalten uns nicht auf das hier und jetzt konzentrieren können. Wir können nicht wertschätzen, was gerade ist. Unser Kopf ist zu voll mit Vergangenheit.

Sobald wir beginnen, uns von Vergangenem zu lösen, leeren wir unsere Gläser und erlauben uns sie mit neuen aktuellen Themen zu füllen. Dann sollten wir uns der Gegenwart zuwenden und uns in Dankbarkeit üben für das was im hier uns jetzt ist, anstatt uns darüber zu sorgen was fehlt.

Wenn wir das tun, transformieren wir unseren inneren Kampf in einen Moment von Glück und Frieden.

 

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