Was passiert wenn du zu sehr im Ego bist

Du stehst auf einer Bühne, vor vielen Menschen. Du bist gut vorbereitet, du kennst deinen Text die Zusammenhänge und den Ablauf. Du hast oft genug geübt, alleine und vor Freunden. Und doch überkommt dich die Angst, eine ganz sinnfreie, überwältigende Angst. Dein Atem stockt, deine Hände schwitzen, dein Mund ist trocken und deine Gedanken kreisen wie wild. 

Du bist an deinem Schreibtisch, du hast einen Plan, du arbeitest fleißig daran, schon lange lange Zeit. Du hast vielleicht sogar dafür studiert, du hast ein klares Ziel und eine genaue Schritt für Schritt Umsetzung in deinem Kopf. Und auf einmal macht alles keinen Sinn mehr. Du sitzt da an deinem Schreibtisch und alles was du tust ist auf einmal vollkommen egal. Du verstehst dich selbst nicht mehr, was ist auf einmal los? So lange bist du diesen Weg selbstbewusst und zielstrebig gegangen. Und nun stehst du, so kurz vor dem Ergebnis, da und merkst, dass du dort gar nicht mehr hinwillst. Du fühlst dich verloren, ärgerst dich über dich selbst und fühlst dich von einem Moment auf den anderen vollkommen wertlos in deinem Tun.

Du kletterst eine Wand hinauf. Du kennst jede Bewegung, jede Position und jeden Schritt der nötig ist, um weiter nach oben zu kommen. Du hast den Weg zuvor genau aus der Ferne geplant, dich exakt vorbereitet. Und nun bist du irgendwo bei 80% deines Weges und kommst nicht mehr voran. Irgendetwas hindert dich noch einen Schritt weiter zu klettern. Du bist innerlich blockiert und bekommst es immer mehr mit der Angst zu tun. Dein Zögern verunsichert dich, du kennst das nicht von dir selbst. Du bist zum ersten mal auf diesem Weg fassungslos.

Kennst du so eine Situation? Hast du sowas schonmal erlebt? Ich schon, nicht nur einmal, eigentlich passiert es mir ständig.

Was passiert da mit uns, wenn wir in einer solchen Situation sind?

Aus meiner Sicht haben wir uns geistig viel zu stark auf eine Sache fixiert. Wir sind stur darauf losgegangen, haben die Scheuklappen aufgelegt und dann auf Vollgas gedrückt. Zuvor haben wir uns mental darauf eingeschossen, um es dann in unserer Realität umzusetzen. 

So wertvoll der Gedanke ist, dass man sich fokussieren muss um ein Ziel zu erreichen, so schädlich kann er auch sein. Und das hat einen einfachen Grund: Du bist nicht alleine auf dieser Welt und es geht nicht nur um dich. Du brauchst andere Menschen und sie brauchen dich. 

Je mehr du dich davon abzuschotten versuchst, desto mehr kommst du in die oben beschriebene Angstsituation hinein. Es ist dein Ego, das dazu führt, dass du nicht weiter kommst, das dazu führt, dass du sinnloses tust, blockiert bist und ins Leere läufst. Je mehr du aus dem Ego heraus lebst, desto weniger kommst du an deinen wahren inneren Kern.  

Was du also wirklich tun kannst, um aus dieser Situation herauszukommen oder gar nicht erst hineinzugeraten ist sehr simpel. 

Hier gebe ich eine Möglichkeit dich in vier Schritten davon zu lösen

  1. Nimm an, dass du nicht wichtig bist:  Ja du willst das nicht hören und deine Mama, deine Angestellten sowie viele bunte Grußkarten an deinem Lieblingskiosk würde mir wohl lautstark widersprechen. Aber es ist einfach mal so, dass die Welt sich auch ohne dich weiterdrehen wird. Es geht nicht um dich, du bist ersetzbar und überhaupt nicht wichtig. Und gerade deswegen sollte dir klar sein, dass du die Freiheit hast alles zu tun und zu lassen was du willst. Eben das ist wundervoll. Genieße es für einen Moment.
  2. Lass dein Ego außen vor: Wenn wir nun davon ausgehen, dass keiner von uns wirklich wichtig ist, haben wir die Freiheit das zu tun was uns wirklich zu uns selbst bringt. Je mehr wir aus Egogründen etwas tun, um anderen zu gefallen oder um in ein bestimmtes Muster zu passen, desto mehr entfernen wir uns von eben jener inneren Freiheit. Von daher ist es unfassbar wichtig, diesen kleinen inneren Napoleon auszuknipsen. Dadurch löst du dich zugleich von der inneren Blockade, der Angst oder dem Stress (je nachdem wie sich das Ego eben bei dir äußert). Es gibt viele Methoden dafür, im Prinzip ist es aber einfach Entspannung, die dazu führt aus der Fixiertheit und dem Egodenken heraus zu kommen. Dazu habe ich zahlreiche Artikel in diesem Blog verfasst.
  3. Verbinde dich mit anderen: Du kommunizierst, du interagierst, du sprichst. Ganz ohne Ziel und Hintergedanken, ganz ohne das Bedürfnis Recht haben zu müssen, besser zu sein oder etwas durch bzw. mit dem Gegenüber zu erreichen. Bleibe offen, warm und im Austausch mit anderen.
  4. Erfreue dich an diesem Moment: Nun wo du weißt, welche vermeintliche Verantwortung dir von den Schultern gefallen ist, nun wo du keine Angst, keinen Stress und keine innere Blockade mehr hast, nun wo du im Einklang mit anderen bist, kannst du einfach den Moment genießen. Verweile dort, atme tief ein und aus. Und mache dich dann auf zu neuen Schandtaten.

Mit diesen vier Schritten wirst du definitiv weiter kommen. Und du wirst weniger gestresst sein, und den Weg bis zum Ende gehen wollen. Der Unterschied liegt nun darin, dass dein Ego dich nicht mehr einnimmt. Es wird dich weiter begleiten und sich ab und an auch noch bei dir melden. Aber es wird weniger Gewicht es haben und du deutlich mehr Freude und Erfüllung.

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