Ein richtig guter Gedanke

Heute morgen beim Meditieren kam mir ein richtig guter Gedanke. Du kennst das sicher, wenn du total im Flow bist und sich dein Geist auf eine Sache konzentriert, langsam entspannt und immer mehr in einen ruhigen Rhythmus kommt. In solchen Situationen, hauptsächlich beim Meditieren, Yoga, Wandern, Joggen oder Fahrradfahren, kommen dann positive Gedanken hoch, die ich so noch nicht hatte. Es ist ein Moment vollkommener innerer Stimmigkeit, Ruhe und Balance, den man auf keinen Fall erzwingen kann, nur herbeiführen, indem man sich entspannt. 

Ich gebe zu, dass ich oft auch alberne, unnütze Gedanken habe, manchmal bringe ich mich damit auch selbst einfach nur zum lachen (was übrigens von außen – vor allem in Deutschland – häufig zu Verwirrung führt, Menschen nehmen sowas dann gerne persönlich). Dieser eine Gedanke, den ich heute mitten im Wald, wo die Vögel lauthals zwitscherten, die Luft so unfassbar rein und gut war und ansonsten keine Menschenseele meinen Weg kreuzte, war Folgender:

Was wäre, wenn du aufwachst und alles vergessen hast was du bisher erlebt, gelernt und erfahren hast?

Stell dir vor, du hättest vergessen welches Umfeld du hast und all die Dinge, die du bisher für wahr gehalten hast, einfach nicht mehr in deinem Kopf existierten? Du hättest zudem auch vergessen wieviel Geld du verdienst und welches Vermögen du besitzt. Es wäre einfach alles in Luft aufgelöst. Klar, deine Grundfunktionen, um zu leben würden noch existieren, meinetwegen weißt du auch noch wie man geht und spricht (wir wollen es uns ja nun nicht allzu schwer machen, das kommt dann im nächsten Level ;).).

Nun, was würdest du tun? Würdest du dir die selben Freunde suchen, die du bisher hattest? Würdest du den selben Beruf wählen, die selbe Heimat, die selben Dinge tun? Würden sich bei dir wieder die selben Gewohnheiten einschleichen? Was wäre dein Ziel, wenn du nochmal von Null beginnen würdest?

Was mich vor allem bei diesem Gedanken beschäftigt hat war, ob ich wieder die selben Denkmuster und Glaubenssätze annehmen würde. Nun wo ich ohne Erfahrung wäre, ohne mediale Einflüsse oder Menschen, die mir sagen wie die Welt zu sein hat, da würde ich meinen, dass ich relativ unbedarft an vieles herangehen würde. Ich hätte wohl auch erstmal keine Angst mir die Finger an einer heißen Herdplatte zu verbrennen oder mit Vollkaracho mein Fahrrad zu zerschmettern. Manche Dummheit würde ich wohl wiederholen. Aber ich würde zugleich weniger unbegründete Zweifel haben. Ich würde nicht an unterbewussten Schemata festhalten, die womöglich vor 20 Jahren relevant waren, aber heute keine Rolle mehr spielen.

Und nun übertragen wir das doch mal auf unsere gesamte Gesellschaft. Wenn wir nun einfach mal fiktional Tabula Rasa machen? Wir gehen einfach mal davon aus, dass all jene Technologien, die Infrastruktur und lebensnotwendigen Grundlagen weiterhin vorhanden sind. Welche Gesetze wären dann heute gültig? Welche Berufe würden entstehen? Welche gesellschaftlichen Gruppen würden sich bilden? Und was wäre das Ziel unserer heutigen Gesellschaft mit den uns vorhandenen Ressourcen? Ich glaube, dass viele alteingesessene Gedanken und Personengruppen wohl anders denken und handeln würden.

Nun zurück zum Individuum: als einzelner würde ich wohl mit 2 Dingen beginnen: ich würde versuchen so viel Wissen wie möglich aufzusaugen und zugleich mit so vielen Menschen wie es geht in Kontakt kommen. Ich würde sie Löcher in den Bauch fragen, um herauszufinden was eigentlich hier los ist auf diesem Planeten. Irgendwann gäbe es einen selektiven Filter, ich würde nach meinem Bauchgefühl und Verstand gehen und die Dinge tun, die sich für mich richtig anfühlen. Ich würde mich mit den Menschen umgeben, die mir gut tun. 

In vielen Bereichen ließe sich dies wohl auch auf die Gesellschaft übertragen: Menschen mit ähnlichen Bedürfnissen und Vorlieben würden sich zusammentun, um das umzusetzen was sie für richtig halten. Es gäbe dumme und kluge Entscheidungen, aber keine würde darauf basieren, was in der Vergangenheit passiert ist. Keine würde darauf basieren, dass sie zugunsten von Menschen getroffen wird, die dafür Geld bezahlt haben. Und wahrscheinlich würden viele Berufe vom Radar verschwinden, weil sie keinen Sinn mehr ergeben. Viele Diskurse würden wohl aufs neue stattfinden, aber mit anderen Determinanten und Prämissen. All jene, die heute Argumente nutzen wie „die Erfahrung hat gezeigt, dass….“ oder „das haben wir schon immer so gemacht…“ oder auch ganz simpel „das ist eben so, das war eben schon immer so“ hätten keine Grundlage mehr.  Vielleicht würden Menschen auch auf ganz andere Weise miteinander kommunizieren, vielleicht gäbe es ganz andere „ungeschriebene Regeln“. All das, was heute kulturell in unserer Gesellschaft verfestigt ist, wäre erstmal weg.

Für manche klingt diese Vorstellung wahrscheinlich furchtbar. Ich finde sie wunderschön. Denn ich könnte so viele Erfahrungen wieder zum ersten Mal machen, ich würde so viele Dinge zum ersten Mal sehen, schmecken, riechen, hören und ertasten. Die Zeit würde wieder langsamer vergehen, sie wäre intensiver und aufregender. 

Stell dir vor, dass auch du jeden Tag aufs Neue beginnst. Jeden Tag lernst du etwas, das du bisher noch nicht kanntest. Jeden Tag machst du neue Erfahrungen und lässt dich nicht von alten Denkmustern aufhalten. Jeden Tag folgst du deinem Bauchgefühl, jeden Tag fragst du Menschen Löcher in den Bauch, jeden Tag bist du mit Menschen, die dir gut tun. Wenn du das ab heute für ein Jahr lang machst, also jeden Tag so betrachtest, das wäre er der Erste in deinem Leben, wo würdest du dann stehen? 

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